19/05/2023
Hier noch ein paar Hintergrundinformationen aus unserem Interview mit der LZ am Sonntag
„Zum Taunus“ in Taunusstein-Hahn geschlossen - Pächter geben entnervt auf.
Nach Angaben des Inhabers hätte er für die Erneuerung der Einrichtung und Mobiliar noch 45.000 Euro beisteuern müssen. Foto: Gasthaus „Zum Taunus“.
Das Gasthaus „Zum Taunus“ in Hahn hat den fünfjährigen Pachtvertrag mit der Stadt Taunusstein nicht verlängert und bleibt nach Auskunft der Pächter ab sofort geschlossen. Der im vergangenen Jahr zugesagte Investitionskostenzuschuss für die Sanierung des Innenraumes des Restaurants wurde nicht abgerufen und somit auch nicht gezahlt. Die Stadt wünscht sich auch künftig ein gastronomisches Angebot in den Räumen gegenüber dem Rathaus – Interessenten können sich ab sofort bei der Stadtverwaltung melden.
„Wir bedauern es sehr, dass sich die Inhaber dazu entschlossen haben, den Pachtvertrag nicht zu verlängern“, so Bürgermeister Sandro Zehner. Als Gründe hatten die Pächter angegeben, dass das Angebot des Restaurants mit französisch angehauchter und gehobener Küche nicht ausreichend in Taunusstein nachgefragt werde und gleichzeitig die Priese für die verwendeten regionalen Produkte stark angestiegen sind. „Sicherlich machen auch die Corona-Pandemie und die allgemein angespannte Wirtschaftslage die Situation für viele Gastronomiebetriebe schwierig“, so Zehner.
Nachdem die Außenfassade 2019 des denkmalgeschützten Gebäudes aufwendig saniert worden war, hatten die politischen Gremien Ende letzten Jahres einem Investitionskostenzuschuss in Höhe von 100.000 Euro für die Renovierung des Innenraums beschlossen, die mit einer Pachtzinserhöhung gegenfinanziert werde sollte. Bislang ist weder der Zuschuss ausgezahlt worden, noch wurden Renovierungsarbeiten durch die Pächter in Auftrag gegeben. „Fest steht, für einen lebendigen Stadtkern in Hahn wünschen wir uns auch künftig ein gastronomisches Angebot“, so Zehner. Das Gebäude liegt gut angebunden gegenüber dem Rathaus und der neuen Hahner Mitte am Zentralen Busbahnhof, angeschlossen an das Bürgerhaus Taunus und den Dr.-Peter-Nikolaus-Platz, der im kommenden Jahr neugestaltet und aufgewertet werden soll. Interessenten für die Übernahme des Pachtvertrags der über 450 Quadratmeter großen Bruttonutzfläche für gastronomische Zwecke plus einer Biergartenfläche von mehr als 350 Quadratmetern können sich ab sofort bei der Stadtverwaltung Taunusstein unter [email protected] melden.
„Ich bin immer noch überzeugt, dass unser Konzept richtig, der Platz aber leider falsch war“, erklärt Inhaber Bernd Zehner. Nicht umsonst erhielt seine Küche mehrere Auszeichnungen. Unter anderem von dem renommierten Restaurantführer Gusto. Von Hessen a la Carte erhielt man drei Löwen, die höchste Auszeichnung, die es zu vergeben gibt. Bei einer Hessen weiten Umfrage wurde das Gasthaus unter die besten 50 Dorfgasthäuser in Hessen gewählt. Auf die 100.000 Euro Investitionskostenzuschuss angesprochen verfinstert sich Zehners Miene. Verärgert erzählt er: „Nachdem die Pressemeldung der Stadt Taunusstein damals veröffentlicht wurde, wurde mein Team und ich auf vielfältige Weise angegriffen und beleidigt. Die Menschen haben einfach nicht verstanden, dass ich keine 100.000 Euro geschenkt bekommen sollte. Vielmehr hätte die Stadt in ihr Eigentum investiert, um das Lokal zu modernisieren. Dass wir 45.000 Euro zum Inventar beigesteuert hätten, ging in der Öffentlichkeit völlig unter“. Zudem wäre die Pacht nach der Renovierung angehoben worden. Bernd Zehners Plan war sogar, die Handwerker und Lieferanten zu organisieren und zu koordinieren. „Eine Arbeit, die eigentlich Sache des Verpächters ist“, so der Gastronom. Er betont, dass er in den letzten fünf Jahren immer wieder selbst Geld in die Hand genommen habe, trotz aller Schwierigkeiten und Umsatzeinbußen, die Corona mit sich brachte. Zehner ist überzeugt, dass es nach der Pressemeldung der Stadt weiter bergab ging, „weil sie von den Leuten falsch verstanden wurde“.
Der 43-jährige will sich nicht weiteren Anfeindungen aussetzen, verweist dabei auf zahlreiche negative Kommentare in den sozialen Netzwerken wegen der keineswegs geschenkten 100.000 Euro. Trotzdem findet er versöhnliche Worte: „Wir hatten sehr liebe Gäste, aber leider insgesamt nicht genug Gäste.“