18/03/2024
Heute in der Thüringer Allgemeinen:
"Auf einen Kaffee im Kyffhäuserkreis in einem von Thüringens ältesten Cafés" ein Bericht von Andrea Hellmann
Sondershausen. Im „Pille“ in Sondershausen gibt es seit 1836 Kuchen und Kaffeespezialitäten. Einige historische Möbel und Einträge in der Karte sind geblieben. Aber auch Neues hält Einzug – so auch überraschende Süßspeisen.
Mit Gunst und Genehmigung des Fürsten öffnete Hofkonditor Friedrich Krause 1836 das Café Schwarzburg in Sondershausen und warb das „geehrteste hiesige und auswärtige Publikum“ mit „allen Arten von Tafelaufsätzen, Torten, Fleisch- und Gellee-Pasteten und Gefrorenem“. Es gab „Thee, Schokolade und Caffee, Mandelmilch, Limonade, Zuckerwasser“.
Für Kuchen und Kaffee wird das Café, das heute Café Pille heißt oder bei den Sondershäusern schlicht als „Pille“ bekannt ist, auch 188 Jahre später noch geschätzt. Den Namen „Pille“ erhält es vom Konditormeister Alfred Pille, der das Café 1912 erwirbt und in den nächsten Jahren umbauen lässt. Zwischen den originalen Art-Déco-Möbeln aus den 1920er-Jahren, einschließlich alter Sofas, Garderoben, Wandspiegel und -verkleidungen, wird bis heute Kaffee getrunken.
Dafür sorgt seit neun Jahren das Team um den Gastronomen Tobias Schneegans, inzwischen gemeinsam mit Sohn und Eis-Konditor Elias Treuse und Mitgesellschafter Sven Schubert. Im März 2015 öffnete er das Café Pille neu, nachdem es fast neun Jahre leer gestanden hatte. Durch Umbau- und Neubau ist an der Traditionsadresse nicht nur das Kaffeehaus aufgehübscht worden, die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wippertal ließ hier auch Wohnungen errichten und der Innenhof bekam wieder einen Platz für Außengastronomie.
Hier kann man im Sommer Eis und Kuchen genießen. Auf der Karte finden sich Klassiker wie Splittertorte, Mohnkuchen und Orangenschnitten, so wie die Sondershäuser es seit Generationen kennen und lieben. Aber auch die Vorlieben der Gäste haben sich in den vergangenen Jahren geändert. Beliebt sind auch hier längst leichtere Varianten, Kuchen statt Torte. Überraschendes lässt sich auch auf der Eiskarte entdecken, wie etwa ein Knäckebrot-Eisbecher.
Über das Café kann Tobias Schneegans auch neuen Jahre nach der Neueröffnung noch stundenlang erzählen, schwärmt vom Flair des Hauses, der originalgetreuen Sanierung der Räumlichkeiten und der Fülle an Anekdoten über das Café. Viele Details habe er damals in Gesprächen mit Steffen Pille, dem letzten Besitzer des Cafés, erfahren. Berichtet haben aber auch die Sondershäuser und ehemaligen Sondershäuser. Fast jede Generation verbinde seine eigene Erinnerung ans „Pille“. Neue schaffen sich längst auch die Jüngeren, beobachtet Schneegans. Auch sie kommen wieder zu Eis oder Limonade.
Mit Bonbons, die hier einst in einer hauseigenen Produktion entstanden, lockt man heute nicht mehr. Pralinen gibt es noch. Auch wenn diese nicht mehr im Haus eigens fürs Café hergestellt werden. Zu Beginn hatte man diese und auch Schokoladen im Angebot im benachbarten Ladengeschäft. Der Verkauf habe sich allerdings nicht gelohnt. Gar nicht erst auf die Speisekarte der Betreiber haben es die 1836 angepriesenen Fleischpasteten geschafft, noch warm am Sonntag nach der Kirche seien diese, hieß es in der Werbung. Darauf habe man doch verzichtet. Einige einfache Bistrogerichte, Suppe und die Pille-Bockwurst, finden sich aber dennoch auf der Karte, für die Besucher, die neben den Süßwaren Appetit auf Herzhaftes haben.
Foto: Hennig Most
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