12/06/2025
Lokales
Waschechter Italiener mit Ecken und Kanten
Das Restaurant Da Vinci in St. Ingbert setzt auf klassische Mittelmeerküche. Restaurantchef Enzo Carratu gibt klare Regeln vor – sowohl für die Qualität der servierten Gerichte, als auch für seine Gäste.
Von Peter Gaschott
St. Ingbert Seit knapp 15 Jahren gibt es in der St. Ingberter Poststraße das Restaurant Da Vinci. Schon in den vorangegangenen Jahrzehnten stand das Haus gegenüber dem Postamt für gehobene italienische Küche.
Der damalige Wirt zog schließlich um in ein eigenes Gebäude, Enzo Carratu übernahm das Restaurant, nachdem für kurze Zeit zwei weitere Wirte für wenig erfolgreiche Zwischenspiele gesorgt hatten. Seit Oktober 2010 ist Carratu Hausherr. Er hält sich, er hat seine treue Stammkundschaft, und er sorgt gleichwohl immer wieder für kontroverse Diskussionen. Das liegt sicherlich daran, dass der Wirt so seine Prinzipien hat, die nicht jedermann gefallen. Er selbst ist von seinem Konzept überzeugt, und es beschert ihm auch im zweiten Jahrzehnt ordentlichen Erfolg. Im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung erklärt Carratu, was für ihn italienische Gastlichkeit ausmacht.
Salate sind Vorspeisen. Basta. Da diskutiert Enzo Carratu nicht. In der Speisekarte steht klar: „Da wir auch wirtschaftlich agieren müssen, können wir Vorspeisen, Salate und Suppen leider nicht als Hauptgerichte servieren.“ Der Gästekodex im Da Vinci ist damit noch nicht am Ende: „Unsere Hauptgerichte sind für eine Person gedacht, daher servieren wir kein zweites Gedeck.“ Und weiter: „Als Speiserestaurant sind wir nicht darauf eingerichtet, nur Getränke zu servieren.“ Klare Ansage, die nicht jedem passt.
Aber Carratu will den Stil seines Restaurants halten. Er titelt auf seiner Speisekarte „Ristorante-Pizzeria Da Vinci – Die Genialität der italienischen Küche“. Damit legt er sich selbst die Messlatte sehr hoch. Wir sehen uns im Restaurant um, das über einen rustikalen Innenraum verfügt – es gibt dort 48 Plätze – und über einen sehr schönen Wintergarten, in dem knapp dreißig Gäste Platz finden. Liebe zum Detail zeichnet den Chef aus, der sorgfältig mit Dekoration umgeht, der seine Weine in einem schönen Regal mitten im Raum präsentiert, der immer wieder kleine Schnaps- und Likörminiaturen hinter Glas über den Tischen angeordnet hat.
Jeder Tisch hat sein Arrangement aus Olivenöl und Balsamico, wobei man feststellt, dass es dem Wirt um gute Qualität geht. Schon im Eingangsbereich stößt man auf einen schön angeordneten Tisch mit edlen Digestifs, die Tische selbst sind edel eingedeckt. Soweit vermittelt das Restaurant einen sehr ordentlichen Eindruck. Im Wintergarten sorgt eine raumhohe, in sonnig-südländischen Farben gehaltene urbane Landschaft für angenehme Stimmung. Seine Liebe zum Mittelmeerraum hat Carratu optisch gekonnt gespiegelt.
Carratu ist gastronomischer Seiteneinsteiger. Sein Großvater kam als Gastarbeiter nach Deutschland, er selbst entdeckte früh seine Leidenschaft zur Gastronomie. Als Kellner arbeitete er in mehreren hochdekorierten Restaurants, er lernte dort viel über die italienische Küche und über das, was deutsche Gäste von ihr erwarten. Dass er nach St. Ingbert kam, das sei ein Zufall gewesen. Das Restaurant in der Poststraße hatte es ihm angetan, wenngleich er ein gutes halbes Jahr brauchte, um sein eigenes Profil bekannt zu machen. Nachdem er dann dem Lokal mit Da Vinci einen neuen Namen gab, ging es mit dem Geschäft deutlich aufwärts.
Wir fragen Enzo Carratu, wie er das Profil seines Restaurants sieht. „Ich will die klassische italienische Küche anbieten, auf sehr hohem Qualitätsniveau. Selbstverständlich muss ich die italienischen Gerichte an den deutschen Geschmack anpassen, und ich muss eine große Auswahl auf meiner Speisekarte bieten. Deshalb habe ich die Standardkarte, auf der die italienischen Traditionsgerichte stehen, die es bei mir immer, also an sieben Tagen in der Woche, gibt. Außerdem gibt es eine Empfehlungskarte, die nach dem täglichen Angebot erstellt wird. Mit frischem Fisch, mit exzellenten Fleischgerichten.“
Die Standardkarte enthält in der Tat alles, was die italienische Küche in unseren Breiten ausmacht: von den Spaghetti aglio, olio e peperoncino über viele weitere Pastavarianten wie über eine Vielzahl von Pizzen.
Die besondere Liebe des Wirts gilt den Fleischgerichten. Schwein, mehrere Kalbfleischgerichte und eine sehr interessante Auswahl an Steaks und Filets, allesamt vom Angus-Rind, ergänzen die Karte. Bei den Desserts fallen insbesondere die „Schokoladen-Ravioli“ auf, die er selbst herstellt mit viel Schokolade im Nudelteig und Ricotta-Füllung, dazu Vanillecreme und Eis.
Die Empfehlungskarte spannt einen breiten Bogen über das saisonale Angebot an frischem Fisch. Pasta wendet der Chef im Parmesanrad, dazu können Trüffel geordert werden, die das ganze Jahr über in der Küche vorrätig sind. Bei den Fleischgerichten sticht ein Entrecôte heraus, begleitet von Bratkartoffeln und einem Salat. Ja, die Preise sind nicht niedrig, das räumt der Patron ein. Aber er gibt zu bedenken, dass er durchgängig im Service, bei dem Gruß aus der Küche und beim „Drumherum“, das den Aufenthalt in seinem Restaurant zum Genuss macht, nicht spart, sondern im Gegenteil „immer ein bisschen mehr zu bieten hat“, wie er uns erzählt. Bis hin zum Digestif, der einfach in seinen Augen zum guten Essen dazu gehört.
Er hat seinen Platz gefunden in der St. Ingberter gastronomischen Landschaft, und er behauptet ihn. Enzo Carratu hat hohe Ansprüche an die Qualität seiner Arbeit, und die will er ohne Kompromisse an seine Gäste weitergeben.
Ristorante Da Vinci, Poststraße 41, St. Ingbert, Tel. (0 68 94) 929 98 88, Mail: [email protected] , täglich über Mittag und am Abend geöffnet.
Pasta, die dann im Parmesanrad geschwenkt wird, stellt eine der Spezialitäten im Da Vinci dar. Foto: Peter Gaschott