16/10/2026
🔪 TATORT ANDERSWO – VIER VERDÄCHTIGE, EIN KÜCHENCHEF UND KEINE SPUR VON REUE.
Ein kulinarischer Kriminalfall aus den Ratsstuben ANDERSWO.
Es war ein ganz gewöhnlicher Morgen in Mendig.
Die Straßen waren ruhig. Der Marktplatz lag friedlich da. Irgendwo wurde ein Kaffee gekocht, irgendwo eine Ehe diskutiert und irgendwo beschloss ein Mensch, ab heute endlich gesünder zu leben.
Ein tragischer Entschluss, wie sich später herausstellen sollte.
Denn in der Küche der Ratsstuben ANDERSWO geschahen zu diesem Zeitpunkt Dinge, die in einem ordentlichen Kriminalroman mindestens drei Ermittler, zwei Gerichtsmediziner und einen nervösen Staatsanwalt beschäftigt hätten.
Der erste Verdächtige: ein Wildschwein.
Es kam aus der Eifel. Ein anständiges Wildschwein, vermutlich mit Familie, Freunden und einem überschaubaren Interesse an französischer Kochkunst.
Sein letzter bekannter Aufenthaltsort: ein großer Schmortopf.
Dort lag es nun, umgeben von reichlich Gemüse, in kräftigem Rotwein, und wurde über Stunden bei niedriger Temperatur verhört.
Es schwieg.
Wir schenkten Rotwein nach.
Es schwieg weiter.
Irgendwann war es butterzart.
Die Ermittlungen wurden eingestellt.
Dazu gibt es hausgemachten Apfelrotkohl und frisch geschabte Spätzle. Denn selbst bei einem Kapitalverbrechen sollte man auf anständige Beilagen achten.
Der zweite Fall: das Schwein mit der doppelten Identität.
Ein Eifeler Landschwein.
Bodenständig. Ehrlich. Ohne Instagram-Kanal.
Und nun taucht es gleich zweimal auf unserer neuen Empfehlungskarte auf.
Einmal als hausgemachte Sülze. Einmal als französisch inspirierte Landpastete.
Zwei Identitäten, ein gemeinsamer Teller.
Die Spur führt zu knusprigen Bratkartoffeln, Remouladensoße und einem kleinen Beilagensalat.
Die Staatsanwaltschaft spricht von organisierter Genusskriminalität.
Wir sprechen von traditionellem Küchenhandwerk.
Ein kleiner, aber juristisch nicht ganz unwesentlicher Unterschied.
Der dritte Verdächtige: ein Kürbis.
Äußerlich vollkommen harmlos.
Orange. Rund. Freundlich.
So sehen übrigens auch manche Menschen aus, bevor sie anfangen, Restaurantbewertungen zu schreiben.
Unser Hokkaido hatte jedenfalls ein Geheimnis.
Er unterhielt Beziehungen zu Ingwer, Knoblauch, Curry und Orangensaft.
Eine ausgesprochen internationale Gesellschaft.
Wir haben alle zusammen in einen Topf gesteckt.
Was dabei herauskam, war eine herrlich aromatische Kürbissuppe, die selbst einem hartgesottenen Ermittler ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern würde.
Vorausgesetzt, er besitzt noch Geschmacksknospen.
Und dann war da noch der vierte Fall.
Der Grillteller.
Ein alter Bekannter der Polizei.
Mehrfach auffällig geworden wegen schwerer Verführung, wiederholter Appetitanstiftung und dem vollständigen Verschwinden sämtlicher Beilagen.
Schwein und Rind. Pommes frites. Speckböhnchen. Kräuterbutter. Pfeffersoße. Ein knackiger Salat.
Ein Wiederholungstäter.
Wir haben ernsthaft überlegt, ihn von der Karte zu nehmen.
Aber was soll man machen, wenn die Gäste ihn immer wieder verlangen?
Manche Verbrechen lassen sich eben nicht verhindern.
Man kann sie nur mit einem guten Glas Wein begleiten.
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Und jetzt kommt das eigentlich Erschütternde an dieser Geschichte.
Wir haben unser Oktoberfest beendet.
Die Haxen haben ihren Dienst getan, die bayerische Gemütlichkeit durfte wieder nach Hause, und in unserer Küche kehrt langsam der ganz normale Wahnsinn zurück.
Wobei „normal“ bei uns ein dehnbarer Begriff ist.
Wir haben deshalb beschlossen, unsere bisherige Tageskarte umzubenennen.
Sie heißt ab sofort:
DER KÜCHENCHEF EMPFIEHLT
Les Suggestions du Chef
Das klingt natürlich vornehm.
Fast so, als würde der Küchenchef morgens mit einer weißen Rose im Knopfloch durch die Küche schweben und seinen Mitarbeitern auf Französisch zuflüstern, welche kulinarischen Wunder heute entstehen sollen.
Die Wirklichkeit ist etwas weniger romantisch.
Da stehen Töpfe auf dem Herd, da wird geschnippelt, gerührt, abgeschmeckt, geflucht, wieder abgeschmeckt und manchmal ein Gespräch geführt, das man besser nicht vor einem Staatsanwalt wiederholen sollte.
Aber am Ende soll etwas auf dem Teller liegen, das wir mit gutem Gewissen servieren können.
Etwas, das nach Handwerk schmeckt.
Nach Zeit.
Nach Liebe zum Beruf.
Und nicht nach einer industriellen Großküche, in der ein Plastikbeutel aufgeschnitten wird und anschließend jemand behauptet, das sei die Spezialität des Hauses.
Liebe Gäste,
wir wissen, dass draußen gerade alles teurer, hektischer und gelegentlich auch ein bisschen verrückter wird.
Wir können die Welt nicht reparieren.
Wir können auch nicht verhindern, dass sich manche Menschen schon morgens über Dinge aufregen, die sie abends längst wieder vergessen haben.
Aber wir können euch einen Tisch decken.
Mit einer ordentlichen Serviette, einem guten Glas Wein, einem freundlichen Lächeln und etwas richtig Gutem zu essen.
Wir können euch für ein paar Stunden den Alltag vom Hals halten.
Und wenn ihr bei uns sitzt, lacht, genießt und irgendwann sagt: „Ach, war das wieder schön“ – dann haben wir unseren Job gemacht.
Denn Gastronomie ist für uns nicht einfach das möglichst schnelle Befüllen menschlicher Mägen.
Dafür gibt es andere Einrichtungen.
Wir möchten, dass ihr euch wohlfühlt.
Dass ihr wiederkommt.
Und dass ihr beim Nachhausegehen vielleicht schon überlegt, was ihr beim nächsten Mal essen werdet.
Der Fall ist also noch lange nicht abgeschlossen.
Die vier Verdächtigen stehen ab sofort auf unserer neuen Empfehlungskarte.
Die Beweismittel werden frisch zubereitet.
Die Zeugen sitzen an unseren Tischen.
Und die einzige Strafe, die euch bei uns droht, ist die Erkenntnis, dass ihr eigentlich längst satt seid – aber trotzdem noch über ein Dessert nachdenkt.
RATSSTUBEN ANDERSWO
Marktplatz 5 · Mendig
Hier wird noch gekocht. Mit Leidenschaft, mit Handwerk und gelegentlich mit einem Humor, für den andere Menschen einen Anwalt benötigen.
Wir freuen uns auf euch.
Und keine Sorge:
Bei uns wird niemand verhört.
Höchstens gefragt, ob es geschmeckt hat.
Eure Mannschaft der Ratsstuben ANDERSWO ❤️