17/08/2020
Ein kleiner Auszug aus dem Leben von Joachim Ringelnatz
Am Freitag, den 21. AUGUST findet in unserem kleinen kulturellen Cafe wieder unsere 14tägige Lesung mit Herrn Wolfgang Hausmann statt.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir Sie herzlichst um Reservierung.
Geboren wird Joachim Ringelnatz unter dem bürgerlichen Namen Hans Bötticher am 7. August 1883 in der sächsischen Kleinstadt Wurzen bei Leipzig. Er wächst in einem bürgerlichen Elternhaus auf, in dem musische Interessen gepflegt werden. Der Vater, Georg Bötticher, war ein bekannter Musterzeichner und Popularschriftsteller, der die Begabung seines Sohnes früh erkannte und förderte.
Durch seine literarische Kunstfigur, den mit allen Wassern gewaschenen Seemann Kuttel Daddeldu, sollte es der Wurzener im späteren Leben zu nicht geringer Popularität bringen. Tatsächlich konnte Joachim Ringelnatz im jugendlichen Alter als Schiffsjunge und dann als Leichtmatrose auf See Erfahrungen sammeln, die für einen großen Teil seines Werkes prägend wurden.
Nach dem 1. Weltkrieg lässt sich Hans Bötticher wieder in München nieder. 1920 heiratet die fünfzehn Jahre jüngere Lehrerin Leonarda Pieper, der er den Kosenamen "Muschelkalk" verleiht. Eine ideale Lebenspartnerin, ohne deren Mitarbeit das dichterische Werk von Joachim Ringelnatz - wie sich Hans Bötticher seit 1919 nennt - nicht denkbar ist. In München knüpft er wieder an sein Vorkriegs-Leben an und tritt im "Simpl" auf. Überregional berühmt wird er durch ein Gastspiel im Berliner Kabarett "Schall und Rauch" im Herbst 1920. Von da ab tourt er als "reisender Artist" durch Deutschland und feiert auf den Kleinkunstbühnen Erfolge als dichtender Seemann Kuttel Daddeldu.
Im Jahr 1930 verlässt Joachim Ringelnatz seine langjährige Wahlheimat München und siedelt nach Berlin über. In den Kabaretts der Hauptstadt ist er längst eine anerkannte Grösse und ein gern gesehener Gast. Er hat ungezählte Freunde und Bekannte im Berliner Intellektuellenmilieu, u.a. Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Claire Waldoff, Otto Dix und George Grosz. In Berlin schreibt er seine letzten Bücher, z.B. "Geheimes Kinder-Verwirr-Buch" (1931), "Die Flasche - Eine Seemannsballade" (1932), "Gedichte von Einstmals und Heute" (1934). Ringelnatz kultivierte seine Alkohol-Leidenschaft. Sein Weinglas auf der Bühne wurde damals berühmt. Aber betrunken stand er nie auf der Bühne. Obwohl er alko-holkrank war. Dem Alkohol, dem gehörte die Nacht, die auf den Auftritt folgte und das meist bis zum Morgengrauen.
In grosse Schwierigkeiten gerät er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Er erhält Auftrittsverbot und seine Bücher stehen auf der Liste der verbrannten Bücher. Der tuberkulosekranke Ringelnatz gerät in immer größere wirtschaftliche Not, die nur durch Spenden von Freunden gelindert werden kann. Am 17. November 1934 stirbt er in seiner Wohnung am Berliner Sachsenplatz (heute Brixplatz) im Alter von nur 51 Jahren.