07/10/2023
Liebe ehemalige Gäste, Freunde, Lieferanten, Unterstützer und so viele mehr, die Teil von uns waren und auch noch sind🙏🏻
Am 19.09.23 war es soweit. Der Tag, auf den wir letztes Jahr um diese Zeit hingearbeitet hatten und an welchem wir ein Jahr später so viele gemischte Gefühle empfinden.
Wir haben das erhalten, wofür wir so sehr gebrannt haben…wofür wir teilweise 16 Stunden in der Küche standen, Powernaps auf den Restaurant Stühlen hielten, uns Nächte um die Ohren geschlagen haben um neue, spannende Speisekarten für Euch zu kreieren. Wir könnten noch so unendlich viele Dinge aufzählen, welche den Beruf des Gastronomen so unattraktiv erscheinen lassen auf jegliche Art und Weise. Das ersparen wir Euch an dieser Stelle😅 Für uns war es Passion in höchstem Maße!
Kurzum: Wir haben unsere Auszeichnung erhalten, auf welche wir nicht stolzer sein könnten!
Der Gusto hat uns getestet und wir haben in nur 4 Monaten aktiven Betrieb ein für uns empfundenes Spitzenergebnis erhalten.
In der diesjährigen Ausgabe des Gusto würde, wären wir noch im laufenden Betrieb, folgendes stehen:
„Krefeld
Hundert10 by OJ
6+ Pfannen, 2 Bestecke
Um Missverständnissen vorzubeugen: der markante Name „Hundert10 by OJ“ bezieht sich weder auf einen geheimen Code noch den zu erwartenden Menüpreis, sondern ganz schlicht und einfach auf die Hausnummer des am Rande von Krefeld direkt am Wald des Hülser Bergs in einer schmucken Villa gelegenen Restaurants. Und natürlich auf den Namen von Oliver Jacoby, der hier nach verschiedenen spannenden Stationen, zuletzt in den Westfälischen Stube im Parkhotel Surenburg, den Weg in die Selbstständigkeit gewagt hat. Unterstützt wird er dabei von Pascal Litzke, der einen Beraterjob beim exklusiven Lebensmittel-Dealer „Otto Gourmet“ gegen einen Wechsel zurück in die Gastronomie mit seinem ehemaligen Kunden Oliver Jacoby getauscht hat.
Das Duo teilt sich die Räumlichkeiten in der Villa ungewöhnlicherweise mit einem auf edle Rennräder spezialisierten Fachhändler und dessen Showroom – die schicken Räder im Hintergrund und an den Wänden ergänzen die hohen Altbauräume mit Stuckdecken, Kronleuchter und modernem Mobiliar aber auf stimmige und originelle Art und Weise. Die Atmosphäre ist entspannt und komfortabel und dazu trägt auch bei, dass der Chef die meisten Gerichte selbst einsetzt und kurz erklärt.
Konzeptionell liegen diese auf lässige Art einerseits klar im Fine-Dining-Bereich, bleiben aber andererseits so klar und unkompliziert, dass an keiner Stelle ein irgendwie hochgestochener Eindruck entsteht, sondern einfach das Gefühl, an einem coolen Genussort mit hohem Anspruch zu sein. Zudem lässt sich auch ganz flexibel entweder à la carte bestellen oder bei mehr Zeit und Neugierde gleich das viergängige Menü wählen.
Dieses startete ohne große Zaubereien vornweg direkt aufgeräumt und geradlinig mit dem ersten Gang, in dem unmittelbar die größten Stärken der Küche deutlich wurden: Hohe Produktqualitäten und klare Kante. In diesem Fall mit ausgezeichneten, glasig glänzenden Jakobsmuscheln im Zentrum, die mit appetitlichen Röstnoten auf einer zarten Blumenkohlcreme und konzentrierterer Blumenkohl-Espuma angerichtet wurden. Akzente setzten ein leicht gelierter Tomatendashifond und Crumbles aus getrockneter Roter Bete und Sesam. Kurz sautierte Cocktailtomaten brachten dazu noch intensive Frischekicks und rundeten den animierenden Auftakt gut ab.
Ein eher dickcremiges, dank eleganter Säure aber alles andere als schwerfälliges Topinambursüppchen brachte danach vor allem viel Produktcharakter aufs Porzellan, bekam zusätzlichen Umami-Boost durch kurz sautierte Buchenpilze und einen lockeren Getreide-Crunch mit (glücklicherweise ganz dezenter) Trüffelölnote, die in dieser Dosierung tatsächlich ausnahmsweise eher nobel als aufdringlich wirkte. Das war insgesamt etwas einfacher und rustikaler gehalten, aber auf diese Art ebenfalls sehr gelungen.
Genau wie der Hauptgang, in dem nussige Quinoa mit dezenter Parmesanwürze als Fundament für fein marmorierte straffe Wagyu-Hüfte diente, die mit deutlichen Röstnoten und kräftigem Eigengeschmack von weinfruchtigen Portweinschalotten, einer hell und transparent gehaltenen Jus und karamellisierten Babykarotten begleitet wurde. Auch hier stand ganz klar das Premiumfleisch im Mittelpunkt, gepusht von fermentiertem Pfeffer und Murray River Salz, während sich die anderen Komponenten mit gelungener Balance zwischen Kraft und Frische angemessen zurückhielten und dennoch für Abwechslung auf dem Teller sorgten.
Und weil auch der Abschluss mit einem duftigen Tonkabohnenparfait und luftig leichter Schokoladenmousse neben relativ „neutralem“ klarfruchtigem Birnenragout das Niveau hielt, insbesondere weil dabei dezente abgeflämmte Birnennoten im Hintergrund einen spannenden Kontrast zu knackig säuerlichem Yuzu-Kaviar bildeten, gibt es ein klares „Daumen hoch“ für den ersten Eindruck dieses neuen Restaurants. Das schließt im Übrigen ausdrücklich auch die kleine, aber feine Weinauswahl und die locker-zuvorkommende Betreuung durch die Gastgeber ein.“
Wir sind unfassbar Dankbar für diese Zeit und Erfahrung, welche uns nachhaltig geprägt hat in vielen Hinsichten.
Tausend Dank,
Oliver Jacoby und Pascal Litzke