01/04/2026
In einem alten Dorf am Rande eines Sees lebte eine junge Goldschmiedin namens Liora. Eines Tages, als der Nebel über dem Wasser hing wie ein Schleier aus Träumen, fand sie am Ufer einen kleinen, grünen Frosch. Er saß auf einer weißen Seerose und blickte sie mit Augen an, die funkelten wie flüssiges Silber.
„Schöne Liora“, quakte er, „ich bin kein gewöhnlicher Frosch. Ich war einst ein Hüter der Blüten — bis ich vergaß, was wahre Schönheit ist. Wenn du mir hilfst, erinnere ich mich vielleicht wieder.“
Liora lächelte und hob ihn vorsichtig auf ihre Hand. Sie brachte ihn in ihre Werkstatt und schmiedete aus reinem Silber einen Ring: fein, schlicht und doch lebendig. Auf der Oberseite ließ sie eine kleine Blume erblühen, und mitten darin setzte sie eine winzige Figur — einen Frosch, der so echt aussah, als würde er jeden Moment davonhüpfen.
Als sie den letzten Schlag mit dem Hammer tat, erstrahlte der Ring in silbrigem Licht. Der Frosch auf ihrer Werkbank war verschwunden — doch in der Luft lag ein sanftes Lachen, und auf Lioras Finger glitzerte der Ring, als atme er.
Seitdem sagt man, wer den Ring trägt, trägt den Segen des Sees: Mut, das Schöne zu sehen, auch wenn es sich in seltsamer Gestalt zeigt. Und manchmal, wenn der Mond hell auf das Silber fällt, scheint der kleine Frosch zu lächeln — dankbar, dass jemand ihn erlöst hat.
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