13/04/2023
Donnerstag, 13.04 // Lesung von Kritik der Gegnwart mit Jennifer Stevens: "Die Romantik vom Ende der Welt — zwischen Aufklärung und Verklärung der Naturgeschichte"
Ab 19 Uhr / Danach: DJ Set von Private Sphere DJs
Angesichts des Klimawandels scheint aktuell eine der brennendsten Fragen zu sein, wie die Welt, wie wir sie kennen, zusammenbrechen wird. War die Rede von der Apokalypse einst noch untrennbar mit religiösen Erlösungsoffenbarungen verbunden, scheint sie im heutigen Alltagsbewusstsein vielmehr als Bild für den endgültigen Untergang unserer Gesellschaft zu figurieren. Die ›kupierte Apokalypse‹ (Vondung) scheint sich zur klassischen Endzeitvorstellung in der Spätmoderne entwickelt zu haben, die sich auf die Darstellung einer umfassenden Katastrophe und das Ende der Zivilisationsgeschichte beschränkt.
Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich, dass sich die Vorstellungen vom Weltuntergang nicht auf eine spezifische Ausprägung reduzieren lassen. Die Apokalypse dient vielmehr als Medium, durch das verschiedene gesellschaftliche Probleme zum Ausdruck gebracht und divergent beantwortet werden können – und das nicht erst seit der Spätmoderne.
Daher kann weder die Atombombe noch der Club of Rome Bericht zum Ausgangspunkt unseres gegenwärtigen ›Endzeitbewusstseins‹ gemacht werden. Im Vortrag soll gezeigt werden, dass die Geschichte der apokalyptischen Problematisierung des Mensch-Natur-Verhältnisses bis in die historische Romantik zurückreicht. Durch die Konstellation von literarischen Endzeiterzählungen sollen verschiedene geschichtsphilosophische Konzeptionen illustriert werden, die die ›ökologische Apokalyptik‹ bis heute nachhaltig prägen.
Zur Person:
Jennifer Stevens ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Graduiertenkolleg ›Modell Romantik‹. Sie beschäftigt sich in ihrem Dissertationsprojekt mit moderner und spätmoderner Apokalyptik. Hierzu verfolgt sie eine psychoanalytisch und problemgeschichtlich orientierte Literatursoziologie, die nach den gesellschaftlichen wie subjektiven Bedingungen und Funktionen von Endzeitdarstellungen fragt.
Veranstaltende: AK "Kritik der Gegenwart" mit freundlicher Unterstützung des AStA der Universität zu Köln
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