03/10/2026
„wer das liest ist dumm“
Seit etwa 8 Jahren stehen an unseren Cafés kleine Gläser mit rosa Wertmärkchen. Oben drüber zwei Schilder;
„Bist Du in Not?
Dann nimm Dir bitte eine Wertmarke.
Du bist auf ein Getränk Deiner Wahl eingeladen.“
Darunter ein Schild;
„Geht es Dir gut?
Dann kaufe bitte ein Wertmarke.“
Als ich mein erstes mobiles Café aufmachte, stand ich damit gleich hinterm Dom, auf der Terrasse des Restaurants „Ludwig im Museum“. Hier gibt es sehr viele Menschen. Einigen davon geht es nicht gut. Sie waren offensichtlich in Not. Es war für mich selbstverständlich, auch diese Menschen mit einer Tassen Kaffee und einen freundlichen Gespräch einen kleinen Moment glücklich zu machen. Irgendwann stand ein „normaler Gast“ daneben, als ich einem Obdachlosen einen Kaffee ausgab. Dieser Gast sagte damals;
„darf ich das bitte übernehmen?“
Mir war in diesem Moment sofort klar, das ich nun helfen kann, dass drei Menschen einen kleinen Glücksmoment erleben dürfen.
Der Obdachlose war froh, einen Kaffee zu bekommen. Der Gast war froh, dass er helfen konnte. Und ich war froh, dass ich die beiden zusammen bringen durfte.
So entstand die Idee, der Glücks-Wertmarken.
Obwohl das Glas mit den Wertmarken jeden Tag frei zugänglich auf der Fensterbank (im Café Elefant) bzw. auf der seitlichen Ablage (an unseren mobilen Cafés, dem kleinen Café Glück) steht, scheint es nicht so leicht, sich so eine Wertmarke aus dem Glas zu nehmen. Oft sprechen wir deshalb gezielt Menschen an, von denen wir denken, dass eine Einladung auf eine Getränk oder eine Kleinigkeit zum Essen, eine gute Idee wäre. Nicht bei jedem Menschen ist die Not offensichtlich.
Wir nehmen dann für diese Menschen eine Wertmarke aus dem Glas und lesen vor, was auf der Rückseite geschrieben steht…
Ein kleiner kurzer Satz. Eine gut gemeinte Botschaft. Aufmunternde Worte, von Herz zu Herz. Wir machen das wirklich gerne, weil es - und das weißt Du sicher auch selbst - kaum etwas schöneres gibt, als einem anderen Menschen als Mensch zu begegnen.
Noch nie, kein einziges Mal, wurde das, was wir hier tun ausgenutzt. Und noch nie, wurde etwas dummes oder unpassendes auf die Rückseite der Wertmarken geschrieben…
bis heute.
Heute haben wir eine Wertmarke „gefunden“, auf der Rückseite ein Satz;
„wer das liest ist dumm“
Natürlich wissen wir, dass es in dieser Welt auch dumme Menschen gibt. Und wenn man etwas genauer hinschaut, dann kann man auch schnell bemerken, wie es dazu kommen konnte, dass ein Mensch sich von sich selbst und somit auch von allen andern, entfernt.
Immer liegen die Ursachen dafür, in sehr schlimmen, traumatischen Erfahrungen, oft in der Kindheit. Es gibt Situationen, die schwer auszuhalten, schwer zu verarbeiten und schwer zu ertragen und schwer zu verstehen sind.
Der Mensch, der diese Wertmarke mit dem Satz
„wer das liest ist dumm“
beschriftet hat, verdient unser tiefstes Mitgefühl! Er hat drei Euro dafür investiert, um einem Menschen in Not zu sagen, dass er dumm ist. Vielleicht möchte er darauf aufmerksam machen, dass jeder selbst für das verantwortlich ist, was er in seinem Leben erlebt? Vielleicht was es gut gemeint?
Ich denke;
wie schlecht muss es einem Menschen gehen, dass er seine - vielleicht einzige - Befriedigung nur noch dadurch erlangt, dass er sich über die Schwächsten unter uns erhöht?
Genau für Dich habe ich dieses Gedicht von Kim McMillen herausgesucht. Sie veröffentlichte den Text 1996 in ihrem Buch „When I Loved Myself Enough“. Ich hoffe sehr, das es Dir hilft;
Als ich mich selbst zu lieben begann…
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich;
das nennt man VERTRAUEN.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich;
das nennt man AUTHENTISCH SEIN.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich;
das nennt man REIFE.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich;
das nennt man EHRLICHKEIT.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das gesunden Egoismus,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt;
das nennt man DEMUT.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es;
BEWUSSTHEIT.
Als ich mich zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute; HERZENSWEISHEIT.
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich;
DAS IST DAS LEBEN
Und jetzt?
…einfach mal glücklich sein.