22/06/2023
HILFE, WIR STERBEN AUS!!!
Sehr geehrter Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck,
sehr geehrter Bundeskanzler Olaf Scholz
sehr geehrte Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Franziska Brantner,
Ohne, dass das vergangene Jahr mit einberechnet ist, musste seit 2019 fast jede 4. Kneipe oder Bar schließen. Der Trend hält an, in keiner Branche hat es jemals einen solch rasanten Fall in den Keller gegeben.
23% der Betriebe, die vornehmlich Getränke ausschenken, sind nicht mehr da, binnen von 4 Jahren. Das muss sofort gestoppt werden!
Bei Kneipen und Bars geht es nicht nur um den wirtschaftlichen Aspekt, jeder Tresen und jeder Sitzplatz hat auch eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Kommunikation, Geselligkeit und unvergessene Abende. In aufgeheizten Zeiten wichtiger denn je, wenn das jemand wissen sollte, dann Sie, Herr Habeck.
Wenn ein Viertel einer Branche stirbt, dann ist das trotz einer Pandemie ein absolut katastrophales Signal und eine Talfahrt die SOFORT gestoppt werden muss.
Wir fordern daher:
- 7 % Mehrwertsteuer auf Speisen UND Getränke in der Gastronomie.
Das ist ein absolutes Muss, an dem kein Weg mehr dran vorbeiführt. Spanien, Italien, Frankreich, Schweiz, Holland, Luxemburg, alle haben 10 % oder deutlich drunter, nur hier in Deutschland zahlen wir uns dumm und dämlich, bis hin zur Pleite.
- Abbau der Bürokratie.
Wenn jemand in Köln eine Kneipe übernimmt und eine Wand baulich verändern möchte, dann benötigt man einen Bauantrag. Dauer momentan zwischen 9 Monaten und 3 Jahren. Das kann nicht funktionieren in dieser Zeit ohne Einnahmen zu leben.
- Unterstützung bei der Digitalisierung.
Kaum eine Branche erfordert von den Geschäftsführenden und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so viele Fähigkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen. Es gibt sehr viele sinnvolle digitale Tools, um den Alltag in der Gastronomie besser managen zu können und damit zumindest einen kleinen Teil des Fachkräftemangels auszugleichen. Auch das kostet Geld. Für jeden Quatsch gibt es Hilfen und Unterstützungen, warum nicht gerade dort, um sich wettbewerbsfähig aufzustellen?
- Wir fordern die Einordnung der Gastronomie als Kulturort.
Das sozio-kulturelle Interesse der Bürger*innen an Zusammenkunft und Austausch ist ein schützenswertes Gemeingut, welches gegenüber individuellen Klagen von einzelnen Nachbar*innen auch besser geschützt werden muss. In einem Wohngebiet traut sich niemand mehr, eine normale Kneipe zu eröffnen. Die Kosten explorieren an allen Ecken und Enden. Energie, Lebensmittel, Kölsch, Personal oder Marketing. Es weiß kaum jemand da draußen, aber eigentlich müsste eine Stange Kölsch 0.2 l in jeder Kneipe mindestens 2.70 € kosten, doch ist es den Gästen nicht plausibel zu erklären.
Kein anderes elementares Bedürfnis hat die Entwicklung des Menschen, der Kulturen und der Gesellschaften so sehr geprägt, wie die Notwendigkeit, zu essen und zu trinken, um zu überleben.
Seit es Gastwirtschaften, Schenken und ähnliches gibt, sind sie Orte der Zusammenkunft, des Austauschs und der Geselligkeit. Je größer die Städte wurden und je näher die Welt durch den technischen Fortschritt zusammenrückte, desto vielfältiger, abwechslungsreicher und ausgefallener wurden die verschiedenen gastronomischen Ideen und Konzepte.
Diese Vielfalt ist nicht nur in Gefahr, sie stirbt gerade. Durch unterlassene Hilfeleistung!
Dies ist ein Hilferuf - ein sehr ernst gemeinter Hilferuf.
IG Kölner Gastro e.V.