24/03/2013
Freitag, den 22. März war es soweit – Stammstargast Henry D. beehrte das Coepenicci, laut eigener Aussage sein „Nirvana auf Speed“, nach langer Zeit wieder für ein ganzes, durchzechtes Wochenende. Hatte es zu Anfang des Jahres noch verschiedentliche Absagen gehagelt (Anfang Januar via Twitter: „Noch hardcore durch von Silvester, Sorry Jungs @ “, Mitte Januar ebenda: „Berlin Winter- can’t do it! Baking in Vietnam sun - suxx 2 b u!“ , Mitte Februar: „It´s Berlinale, Bitches!“) reiste Casanova Henni D. nun mit (Ruck)Sack und (Back)Pack an. Da überraschte es nicht, dass kein Stein auf dem anderen blieb – die Dessertkarte etwa kann ein Lied davon singen, wo Stunden vorher noch Tiramisu und Panna Cotta die Buffalo con Tartufi Bianchi den Gourmetgast von der Karte grüßten, hieß es Freitag abend schlicht: Götterspeise, Fruchtzwerge aller Art.
Angesprochen darauf, ob er nicht lieber das ganze Wochenende zu Hause Star Wars gespielt hätte, nahm Henry D. einen kräftigen Bissen Bolognese, zuckte mit den Schultern und schmatzte: „Na die Pasta schmeckt hier doch ohnehin galaktisch...“, kippte mit Rotwein nach und pfiff in gewohnt lebemännischer Art Mitgesellschafterin Katja E. hinterher. „...Und alles andere ist hier sowieso immer vom anderen Stern, wenn ihr wisst, was ich meine“, zwinkerte er der fragenden Journalistenschar zu.
Schon bei sommerlichen Grillfesten hatte Schwerenöter Henry die Frauenherzen höher schlagen lassen, die kreischende Teenischar vor dem Coepenicci nahm folglich wenig überraschend unbekannte Ausmaße an. War D. davon beeindruckt? Weit gefehlt. Wie so oft hatte der belesene Vorschüler mal wieder das passende Zitat parat – statt wie sonst Montesquieu, Balzac oder Goethe bemühte der kesse Knirps „einen meiner favourite East-Cost Homes“, Rapper Jay Z: „Men gotta do men things, for men salaries“ orakelte er, bevor er sich mit einem Knacker in der Linken und einem Kakao in der Rechten ins Entertainment-Room des Niccis verabschiedete, um sich mit seinen „Jungs mal wieder ne Episode (Star Wars, Anmerkung der Redaktion) reinzufahren“.
Henry D. mit den Vorstandsmitgliedern auf der Couch vorm TV, Katja E. nebenan, die ihren ob der jugendlichen Unwirschheit des Blondschopfs achterbahnfahrenden Gefühlen an der Staffelei Formen gibt – es hätte so idyllisch sein können. Doch wenige hundert Kilometer weiter südlich machte ein ehemaliges Gesellschaftsmitglied Stimmung gegen unser aller Lieblingsitaliener von nebenan.
Martin W., die selbsternannte „Tegernfee“, trällert dort seit einigen Wochen trotzige Lieder gegen das It-Restaurant. Von Podesten und Bars bajuvarischer Volksfeste und Maitreffen schmettert er – vom Outfit eher nach Rimini als nach Mailand passend - seinen reminiszierenden Gassenhauer „Die längste Nudel gibt’s immer noch hier unten“. Zu tief scheint der Stachus der Vertreibung aus dem Nudelparadies noch zu sitzen, schon immer gehegte, separatistische Freistaatsressentiments tun scheinbar ihr übriges. Ein Wermutstropfen, der das rundum positive Bild des Wochenendes aber nicht trüben kann. Und so resümierte Nachwuchsitalomacho Henry D. am heutigen Sonntag freudestrahlend: „Schnittchen-Alarm, lecker wat Antipasti und viel zu wenig Schlaf– Niccis halt!“