07/29/2026
Pressemitteilung der Gemeinde Haidmühle: Gemeinde Haidmühle stellt Weichen für eine zukunftssichere Kläranlage - Gemeinderat entscheidet sich für Belebungsanlage – vorhandene Bauwerke werden weitergenutzt – Einsparung von rund 1,7 Millionen Euro bereits in der Vorplanung erreicht
"In der Gemeinderatssitzung am 27. Juli 2026 stellte die SEHLHOFF GMBH den abgeschlossenen Stand der Vorplanung zur Sanierung und Erweiterung der Kläranlage Haidmühle vor. Herr Baier und Herr Ebner erläuterten den Gemeinderäten sowie den interessierten Besucherinnen und Besuchern die untersuchten technischen Varianten, die vorgesehenen Baumaßnahmen, die Möglichkeiten zur Weiterverwendung bestehender Anlagenteile und den geplanten zeitlichen Ablauf.
Die bestehende Kläranlage wurde 1974/1975 errichtet und entspricht nicht mehr den heutigen wasserrechtlichen Anforderungen. Die ursprüngliche wasserrechtliche Erlaubnis endete zum 31. Dezember 2018. Eine anschließend erteilte beschränkte Übergangserlaubnis lief zum 31. Dezember 2020 aus. Eine grundlegende Ertüchtigung der Anlage ist daher keine freiwillige Maßnahme, sondern rechtlich und technisch zwingend notwendig.
„Niemand wünscht sich ein Großprojekt dieser Größenordnung bei den derzeitigen Baupreisen und Finanzierungskosten. Es ist jedoch keine Frage des Wollens, sondern ein Muss“, betonte Erster Bürgermeister Roland Schraml. „Unser Ziel ist deshalb, eine dauerhaft sichere und zukunftsfähige Abwasserentsorgung zu schaffen und gleichzeitig die Belastungen für unsere Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich zu halten.“
Rund 1,7 Millionen Euro eingespart
Ein besonderer Erfolg der bisherigen Planung ist der mögliche Verzicht auf den ursprünglich vorgesehenen Neubau eines Regenüberlaufbeckens mit einem Volumen von 380 Kubikmetern.
In enger Abstimmung zwischen der Gemeinde, dem Planungsbüro und dem Wasserwirtschaftsamt wurde das Mischwassersystem erneut umfassend berechnet. Die aktualisierte Schmutzfrachtsimulation ergab, dass das bestehende Regenüberlaufbecken mit einem Volumen von rund 158 Kubikmetern weiterhin ausreicht, wenn der zur Kläranlage weitergeleitete Mischwasserzufluss von bisher 45 auf künftig 35 Liter pro Sekunde angepasst wird.
Der ursprünglich vorgesehene Neubau hätte nach der Kostenberechnung aus dem Jahr 2024 rund 1,7 Millionen Euro brutto gekostet. Auf diesen kann nach dem aktuellen Planungsstand verzichtet werden. Das vorhandene Becken soll im Wesentlichen weiterbetrieben und lediglich punktuell technisch ertüchtigt werden.
„Diese Einsparung zeigt, wie wichtig es ist, bestehende Vorgaben nochmals kritisch und fachlich fundiert zu überprüfen“, erklärte Schraml. „Wir werden auch in den weiteren Planungsschritten jede einzelne Position auf ihre Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit untersuchen.“
Gemeinderat entscheidet sich für Variante 1
Im Rahmen der Vorplanung wurden zuletzt zwei technisch mögliche Verfahren miteinander verglichen: eine klassische Belebungsanlage sowie eine Scheibentauchkörperanlage.
Der Gemeinderat entschied sich dafür, die weitere Planung auf Grundlage der Variante 1 – Belebungsanlage mit Schlammstabilisierung fortzuführen. Die Anlage wird für eine Ausbaugröße von 2.300 Einwohnerwerten im Mittel und 3.000 Einwohnerwerten beim sogenannten 85-Prozent-Wert ausgelegt. Dadurch werden neben den dauerhaft angeschlossenen Einwohnerinnen und Einwohnern auch Belastungsspitzen durch Tourismus, Gewerbe und saisonale Schwankungen berücksichtigt.
Geplant sind insbesondere ein neues kreisrundes Belebungsbecken mit rund 1.600 Kubikmetern Volumen, ein neues Nachklärbecken, ein modernes Betriebs- und Maschinengebäude, eine Kompaktanlage mit Rechen sowie Sand- und Fettfang, neue Pumpen-, Gebläse-, Mess- und Steuerungstechnik sowie eine Anlage zur Phosphatfällung.
Die Belebungsanlage wurde gegenüber der ebenfalls untersuchten Scheibentauchkörperanlage als technisch leistungsfähiger, flexibler und wirtschaftlicher bewertet. Die derzeitige Kostenschätzung liegt für die Belebungsanlage bei rund 7,618 Millionen Euro brutto. Für die Alternativvariante wurden rund 8,421 Millionen Euro brutto geschätzt. Damit liegt die gewählte Variante nach dem derzeitigen Stand um rund 803.000 Euro unter der Vergleichslösung und bietet zugleich eine bessere und zukunftssichere Reinigungsleistung.
Bestehende Bauwerke werden weitergenutzt
Ein wesentlicher Bestandteil der Planung ist die möglichst umfangreiche Nutzung vorhandener und weiterhin geeigneter Bauwerke.
Das bestehende Nachklärbecken 1 soll künftig als Trübwasser- und Filtratwasserspeicher dienen. Nachklärbecken 2 wird zu einem Regenrückhalte- und Havariebecken umgebaut. Auch der bestehende Schlammstapelbehälter mit zwei Kammern und einem Volumen von jeweils 375 Kubikmetern soll erhalten und technisch angepasst werden. Der vorhandene Ableitungskanal zur Kalten Moldau soll grundsätzlich ebenfalls weitergenutzt werden.
Der alte Tropfkörper sowie das bisherige Betriebs- und Rechengebäude werden erst zurückgebaut, nachdem die neuen Anlagenteile in Betrieb genommen wurden. Dadurch kann die Abwasserbehandlung während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten werden.
Die Vorplanung wurde zudem mit den Mitarbeitern der Kläranlage und den Klärwärtern abgestimmt. Deren praktische Erfahrungen und Anforderungen an einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb fließen somit unmittelbar in die weitere Planung ein.
Kostenschätzung noch nicht abschließend
Die Gemeinde weist ausdrücklich darauf hin, dass die derzeit genannten Beträge auf einer Kostenschätzung mit Stand Juni 2026 beruhen. Sie stellen einen ersten Orientierungsrahmen dar, jedoch noch keine abschließende Kostenberechnung.
Mit dem Beschluss des Gemeinderates wurde kein Bauauftrag vergeben. Vielmehr wurde die Grundlage geschaffen, um nun die detaillierte Entwurfsplanung zu erarbeiten. Erst in diesem Planungsschritt werden die einzelnen Bauteile, Mengen, Ausführungsstandards und technischen Anlagen vertieft festgelegt. Danach können deutlich belastbarere Kosten ermittelt werden.
Die derzeitige Kostenschätzung enthält unter anderem keine stationäre Klärschlammentwässerung und keine Kalkdosierstation. Auch eine möglicherweise erforderliche vollständige Erneuerung des Ableitungskanals zum Gewässer ist in der aktuellen Summe nicht berücksichtigt.
Alle wesentlichen weiteren Entscheidungen werden dem Gemeinderat erneut zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt.
Einsatz für eine bessere finanzielle Unterstützung
Neben der technischen Planung setzt sich die Gemeinde intensiv für eine möglichst hohe finanzielle Unterstützung ein.
Bürgermeister Roland Schraml führte hierzu gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Roswitha Toso von den Freien Wählern und Josef Heisl von der CSU ein Gespräch mit dem Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber.
Im Mittelpunkt standen die anstehenden Investitionen in die Kläranlage und das Kanalnetz sowie die bereits heute hohen Wasser- und Abwassergebühren. Schraml machte deutlich, dass die zu erwartenden Kosten die Leistungsfähigkeit vieler Bürgerinnen und Bürger erheblich belasten könnten. Er bat deshalb um eine erneute Überprüfung der Fördermöglichkeiten, der Härtefallschwellen und bereits gestellter Förderanträge.
Auch die beiden Landtagsabgeordneten unterstützten das Anliegen der Gemeinde. Sie verwiesen auf die besondere Situation einer kleinen, strukturschwachen Grenzgemeinde und sprachen sich insbesondere für eine zügige Auszahlung bereits bewilligter Fördermittel für umgesetzte Kanalbaumaßnahmen aus.
Umweltminister Glauber zeigte Verständnis für die schwierige Lage der Gemeinde und würdigte den Einsatz von Bürgermeister Schraml. Gleichzeitig stellte er klar, dass keine Sonderförderung außerhalb der bestehenden gesetzlichen Förderinstrumente zugesagt werden könne. Die Vertreter des Umweltministeriums erläuterten jedoch die vorhandenen Fördermöglichkeiten und sagten eine fachliche Unterstützung bei deren bestmöglicher Ausschöpfung zu. Ein weiterer Aufschub der notwendigen Maßnahmen wurde aus fachlicher Sicht nicht empfohlen.
„Die derzeitige Förderkulisse ist für eine kleine Gemeinde bei einem Pflichtprojekt dieser Größenordnung nicht befriedigend“, so Schraml. „Wir werden trotzdem nichts unversucht lassen, um sämtliche bestehenden Fördermöglichkeiten auszuschöpfen und die Belastung unserer Bürger so weit wie möglich zu begrenzen.“
Schraml dankte Roswitha Toso und Josef Heisl für die Vermittlung des Gesprächstermins und ihre Unterstützung. Ebenso bedankte er sich bei Umweltminister Glauber und den Vertretern des Ministeriums für den offenen und fachlich intensiven Austausch.
Finanzierung wird transparent aufgearbeitet
Für die Bürgerinnen und Bürger ist besonders wichtig, wie die nach Abzug der Fördermittel verbleibenden Kosten finanziert werden. Die Verwaltung wird deshalb verschiedene rechtlich zulässige Modelle erarbeiten und dem Gemeinderat gegenüberstellen.
Geprüft werden sollen insbesondere eine Finanzierung über Verbesserungsbeiträge, über laufende Abwassergebühren oder über eine Kombination beider Möglichkeiten. Dabei werden die Auswirkungen auf Grundstückseigentümer, Gebührenzahler und den Gemeindehaushalt genau dargestellt.
Eine Entscheidung über die endgültige Finanzierung ist noch nicht gefallen. Diese kann erst getroffen werden, wenn eine belastbarere Kostenberechnung, die tatsächliche Höhe der Fördermittel und die beitragsfähigen Kosten feststehen.
Weiterer Zeitplan
Bis Ende 2026 soll die Entwurfsplanung einschließlich Tragwerksplanung, technischer Gebäudeausrüstung sowie Elektro-, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik erstellt werden. Die Genehmigungsplanung ist bis Frühjahr 2027 vorgesehen.
Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die wasserrechtliche Genehmigung bis Ende 2027 vorliegen. Die Ausschreibung ist für das Frühjahr 2028 vorgesehen, die Vergabe und der Baubeginn für Mitte 2028. Der Abschluss der Bauarbeiten und die Inbetriebnahme der erneuerten Kläranlage werden bis Anfang 2030 angestrebt.
„Wir werden die weiteren Planungsschritte transparent darstellen und jede Möglichkeit zur Kosteneinsparung nutzen“, erklärte Bürgermeister Schraml abschließend. „Unser gemeinsames Ziel ist eine technisch sichere, langfristig tragfähige und für unsere Bürgerinnen und Bürger möglichst verträgliche Lösung.“"
(Foto: Hogn-Archiv)